Ich bin Jahrgang 1968 – also aus einer Zeit, in der man Kassetten mit einem Bleistift zurückspulte und Telefone noch ein Kabel hatten. Irgendwann packte mich der Wunsch, Deutschland für ein paar Jahre den Rücken zu kehren und einfach mal woanders aufzuwachen. Kein großer Masterplan, eher eine Mischung aus Fernweh, Neugier und dem Gefühl: „Da draußen wartet noch etwas auf mich.„
Und dann sah ich sie:
Die Stellenanzeige eines großen Reiseveranstalters.
„Reiseleiter gesucht – willst du arbeiten, wo andere Urlaub machen?“
Ich dachte: „Warum eigentlich nicht?„
Also packte ich meinen Rucksack und reiste los. Einige Jahre lang war jede Saison ein neues Land, ein neues Abenteuer, ein neues „Mal sehen, wie lange ich diesmal bleibe“.
Zwei Mal versuchte ich, wieder in Deutschland Fuß zu fassen. Zwei Mal bot man mir ein spannendes neues Ziel an. Und zwei Mal sagte ich: „Na gut… ein letztes Mal geht noch.“ Und dann ging es wieder los.
Griechenland war nie in meinem Kopf.
Nicht als Traumziel, nicht als bevorzugtes Land – andere Orte standen viel höher auf meiner Liste. Aber dann kam dieser Einsatz auf Thassos im Jahr 2000. Einfach zugeteilt, unspektakulär angekündigt, ein Job wie jeder andere. Zumindest dachte ich das.
Doch das Leben hatte andere Pläne.
Da war plötzlich diese Insel.
Da war plötzlich diese Liebe.
Und da war plötzlich dieser Moment, in dem ich merkte: „Okay… ich bleibe wohl.“
Aus einem Zwischenstopp wurde ein Zuhause.
Aus „Ich bin gleich wieder weg“ wurde „Ich bin immer noch hier“.
Seitdem tanze ich zwischen Walzer und Syrtaki, was ungefähr so elegant aussieht, wie es klingt. Mein Alltag ist eine Mischung aus deutscher Gründlichkeit und griechischem „Siga, siga“. Ich bin ein kultureller Hybrid: halb To‑do‑Liste, halb Kafenio‑Philosophin.
In Griechenland bin ich immer noch „die Fremde“ – so wie eigentlich jeder, der nicht auf Thassos geboren wurde. Freundlich akzeptiert, herzlich aufgenommen, aber immer mit diesem liebevollen Unterton: „Sie gibt sich Mühe, lasst sie.“
In Deutschland dagegen bin ich inzwischen die Person, die im Supermarkt „Kalimera“ sagt und sich wundert, warum niemand zurücklächelt.
Heimat? Ein bewegliches Ziel. Deutschland ist vertraut, aber fremd geworden. Griechenland ist fremd, aber vertraut geworden. Ich wohne also offiziell im Dazwischen – ein Ort, den Google Maps hartnäckig ignoriert.
Auf meinem Blog schreibe ich über dieses Leben zwischen zwei Welten: über Kultur, Identität, Missverständnisse, kleine Dramen und große Erkenntnisse. Über das Gefühl, wenn man nirgendwo ganz dazugehört – und gleichzeitig überall ein bisschen.
Wenn du Lust hast auf Geschichten aus dem Grenzgebiet zwischen „Ordnung muss sein“ und „Ti na kanoume“, dann bist du hier genau richtig.
Viel Spaß beim Lesen!
Katja
