Jedes Jahr zu Ostern beginnt bei mir das gleiche Ritual: Ich schaue in den Kalender, dann in den anderen Kalender, dann wieder in den ersten – nicht, weil ich mich frage, wann ich feiere, das weiß ich. Ich schaue nur nach, wann in Deutschland Ostern ist, damit ich rechtzeitig gratulieren kann. Denn während dort schon Eier gesucht werden, ist hier in Griechenland oft noch ganz entspannt Fastenzeit.
Die beiden Termine liegen gern mal eine bis fünf Wochen auseinander. Das ist nicht etwa Chaos, sondern Tradition. Also… kirchlich legitimiertes Chaos.
Zwei Kirchen, zwei Kalender …
Die westlichen Kirchen rechnen nach dem Gregorianischen Kalender. Die orthodoxen Kirchen dagegen halten sich an den Julianischen Kalender, der ein bisschen so ist wie ein alter Onkel: charmant, aber nicht mehr ganz synchron mit der Welt.
Schon das sorgt für Verwirrung – aber es kommt noch besser.
Der Vollmond mischt auch noch mit
Beide Kirchen sagen: Ostern ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
Klingt einfach. Ist es aber nicht.
Denn der Westen nimmt den Frühlingsanfang des Gregorianischen Kalenders, die Orthodoxie den des Julianischen – und der liegt 13 Tage später. Das heißt: Der „richtige“ Vollmond ist plötzlich ein anderer.
Und zack – schon feiern wir an verschiedenen Sonntagen.
Und dann wäre da noch das jüdische Pessach
Die orthodoxe Tradition sagt: Ostern muss nach Pessach liegen.
Im Westen ist das inzwischen egal.
Das Ergebnis: Manchmal liegen die Feste nah beieinander, manchmal weit auseinander – und manchmal hat man das Gefühl, Ostern sei ein wandernder Feiertag mit Commitment‑Problemen.
Und was mache ich?
Ich lebe ja zwischen zwei Kulturen – also habe ich auch zwei Ostern.
Das westliche Ostern ist für mich das, an das ich denken muss, um meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland rechtzeitig zu gratulieren. Dafür brauche ich jedes Jahr eine Erinnerung im Kalender, sonst geht es unter.
Das orthodoxe Ostern dagegen feiere ich richtig: mit roten Eiern, Mitternachtsmesse, Kerzen, Tsoureki, „Christos Anesti“ und dem traditionellen Eierklopfen, bei dem ich zuverlässig verliere.
So habe ich am Ende zwei Ostern:
eins, an das ich nur denken muss – und eins, das ich wirklich feiere.
Und natürlich auch die doppelte Chance, mich im Datum zu vertun.
Vielleicht sind die zwei Ostertermine einfach göttliche Unterhaltung. Da oben wird geschmunzelt, und ich unten, als Kulturpendlerin zwischen Deutschland und Griechenland, versuche den Überblick zu behalten – eine Art Kalenderakrobatik mit mediterranem Einschlag.

Hi, this is a comment.
To get started with moderating, editing, and deleting comments, please visit the Comments screen in the dashboard.
Commenter avatars come from Gravatar.